Cholesterin Normal- und Grenzwerte

Cholesterin Grenzwerte im Blut: Was ist normal, was ist zu viel?

Wenn Sie beim Arzt nach Ihrem Cholesterinspiegel fragen, bekommen Sie für gewöhnlich eine von drei möglichen Antworten: normal - etwas erhöht - zu hoch. Aber wo liegen die Grenzen für diese drei Befunde? Wie beurteilt der Mediziner die Zahlen, die er vor sich liegen hat? Einfache, allgemeingültige Cholesterin Grenzwerte gibt es beim Blutcholesterin leider nicht. Welche Werte gesund sind, das hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab: Geschlecht, Alter und Lebensweise spielen eine große Rolle, und andere Blutwerte machen die Rechnung kompliziert.

Männer, Frauen, Altersgruppen, Risikogruppen

Männer haben an sich ein höheres Herzinfarktrisiko als Frauen. Erst nach der Menopause, also ab etwa 50 Jahren, ziehen die Damen in diesem Punkt gleich. Deshalb müssen Männer mehr auf ihre Blutwerte achten als Frauen, und die Optimalwerte lieber etwas niedriger nehmen.

Das Alter entscheidet mit

Cholesterin Normalwert und Grenzwert
Cholesterin Normalwert und Grenzwert

Der Gesamtcholesterinwert eines durchschnittlichen deutschen Mannes liegt mit 35 Jahren zwischen 225 und 230 mg/dL, steigt mit der Zeit etwas an, und schwankt ab 45 Jahren zwischen 235 und 240 mg/dL. Bei den Frauen verändern sich die Durchschnittswerte stärker: von 210 - 215 mit 35 Jahren steigen sie auf 245 - 250 mit 55. Entsprechend wird der Arzt einen Cholesterinwert innerhalb dieser Bereiche als normal bezeichnen - normal für die Altersgruppe. Haben Sie dagegen mit 20 Jahren schon über 240 mg/dL im Blut, müssen Sie sich fragen, warum.

Risikofaktoren

Verschiedene Gewohnheiten oder Ereignisse beeinflussen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, teilweise sogar stärker als der Cholesterinwert. Gehören Sie zu einer der Risikogruppen, müssen Sie Ihren Cholesterinwert gut im Auge behalten, und erwägen, vielleicht Ihren Lebensstil zu ändern.

  • Wenn Sie im Leben bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie irgendwann einen zweiten bekommen: Sie zählen damit zu den Hochrisikopatienten.
  • Rauchen ist nicht nur für die Lunge schlecht: Es kann zu Arteriosklerose und Thrombosen führen.
  • Hoher Blutdruck: Als Hypertonie gelten Werte über 140/90 mmHg.
  • Herzkrankheiten in der Familie: Ein wenig scheint bei Arteriosklerose auch die Vererbung eine Rolle zu spielen.

Cholesterin ist nicht gleich Cholesterin

Noch in den achtziger Jahren war der Cholesterinwert eine einzige Zahl: das gesamte Cholesterin im Blut eines Patienten, angegeben in Milligramm pro Deziliter (mg/dL). Als normal galt jeder Wert unter 200, grenzwertig waren 200 - 239, und ab 240 mg/dL galt der Cholesterinspiegel als zu hoch. Inzwischen haben sich Messmethoden und Bewertung allerdings verändert, denn Langzeitstudien haben gezeigt: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hängt nicht nur zusammen mit dem gesamten Cholesterin im Blut, sondern noch mehr mit dem Verhältnis zwischen schwerem HDL- und leichtem LDL-Cholesterin und mit dem Blutfettwert. Im Labor misst man deshalb inzwischen drei Blutwerte: Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride.

HDL: Das "gute" Cholesterin

Cholesterin wandert in HDL-Transportern zurück zur Leber, das heißt, weg aus dem Blut. Je größer der Anteil von HDL am Cholesterinspiegel, desto besser: Macht das HDL mehr als 20% des Gesamtcholesterins aus, nennt der Arzt das einen guten Wert. Sind es weniger als 20%, wird er Ihnen empfehlen, etwas dagegen zu unternehmen.

LDL: Das "böse" Cholesterin

Den LDL-Wert lässt man im Labor meist nicht messen; man berechnet ihn einfach aus dem HDL- und Gesamtcholesterinwert. Früher gab es genaue Cholesterin Grenzwerte, unter die man das LDL-Cholesterin zu senken versuchte: Wer sonst gesund war und zu keiner Risikogruppe gehörte, sollte das LDL unter 160 mg/dL haben. Patienten mit mehr als zwei der Risikofaktoren sollten den Wert unter 130 bringen, Hochrisikopatienten unter 100. Zeigten die natürlichen Methoden nicht genügend Wirkung, kamen Cholesterinsenker zum Einsatz. Allerdings brachte die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg: Mitunter blieb das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko der Patienten hoch, obwohl ihr LDL-Cholesterin wieder im grünen Bereich lag. Der Grund? Der LDL-Cholesterinwert allein ist nicht aussagekräftig. Erst, wenn man diesen Wert zusammen mit einem zweiten betrachtet, nämlich den Triglyceriden (Fetten) im Blut, kann man voraussagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

Triglyceride: Der gefürchtete Blutfettwert

Dieser Blutwert ist ein bisschen aufwendig zu bestimmen: Die letzte Mahlzeit kann das Ergebnis verfälschen, genauso wie das letzte Glas Alkohol. Für einen aussagekräftigen Triglyceridwert dürfen Sie vor der Blutabnahme 12 Stunden lang nichts essen, und mindestens drei Tage lang keinen Alkohol trinken. In diesem Zustand, absolut nüchtern, sollte der Triglyceridwert für einen ansonsten gesunden Menschen nicht höher sein als 150 mg/dL. Grenzwertig sind Werte zwischen 150 und 200, kritisch wird es ab 200 mg/dL. Das sind die Referenzwerte für die Triglyceride allein - zusammen mit dem LDL-Cholesterinspiegel betrachtet, verschieben sich die Grenzen.

Erhöhte Triglyceride und hohes Cholesterin: Eine gefährliche Mischung

Weder der "böse" LDL-Cholesterinwert und der "gute" HDL-Cholesterinwert allein noch der Triglyceridwert allein sind entscheidend. Erst alle drei zusammen lassen eine Aussage darüber zu, ob Sie ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose haben und ob Sie Ihren Cholesterin- und Blutfettwert senken sollten: Hohes LDL mit hohen Triglyceriden und niedrigem HDL ist schlecht. Haben Sie den HDL-Cholesterinspiegel unter 20% des Gesamtcholesterins, und/oder das Gesamtcholesterin über 200mg/dL, dann sind bereits Triglyceridwerte ab 100 mg/dL gefährlich, selbst wenn Sie zu keiner Risikogruppe gehören.

Senken - aber nicht zu weit

Ein wenig komplizierter wird es noch. Der Cholesterinwert kann nämlich auch zu niedrig sein. In mehreren großen Studien mit Tausenden von Teilnehmern zeigte sich zwar, wie erwartet, für Menschen mit zu viel Cholesterin im Blut eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt und Schlaganfall. Auf der anderen Seite der Skala aber hatten diejenigen, deren Cholesterin außergewöhnlich niedrig war, ein erhöhtes Risiko für Krebs, Leber- und Nervenerkrankungen. Man hielt dieses Phänomen zunächst für eine Alterserscheinung, bis weitere Untersuchungen an jungen Leuten die selben Ergebnisse brachten. Einen Mindestwert für den Cholesterinspiegel nennen die Mediziner allerdings bislang nicht; im Bereich der Cholesterinwerte gibt es noch einiges zu forschen.

Autorin: Anna Siegl

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