Cholesterin senken mit Fischölkapseln

Der durchschnittliche Europäer isst zu wenig Fisch. Deshalb fehlt in unserer Ernährung nicht nur Jod, sondern vor allem die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren aus dem Fettgewebe der Meerestiere. Dabei geht es nicht um die essentielle Alpha-Linolensäure (deren Bedarf sich aus pflanzlichen Ölen decken lässt), sondern um zwei andere Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Diese beiden Fettsäuren sind zwar nicht unentbehrlich für den menschlichen Stoffwechsel, aber sie tragen zu gesunden Blutfettwerten bei. Wenn Sie nicht gerne Fisch essen, können Sie sich diese beiden essentiellen Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Fischölkapseln täglich zufügen.

Jeden Tag eine Fischölkapsel

Fischölkapseln
Fischölkapseln

Ideal für die Blutfettwerte (und auch für die Schilddrüse) wäre jeden Tag eine Mahlzeit mit fettem Fisch: Hering, Sardine, Aal, Lachs, Thunfisch, Makrele oder jede andere Fischart, die mindestens fünf Gramm Fett pro hundert Gramm enthält. Es gibt eine Menge unterschiedlicher Zubereitungsarten und Beilagen, also müsste so eine Ernährung gar nicht langweilig werden. Trotzdem werden die meisten Europäer nicht jeden Tag Fisch essen wollen. Die Alternative: Fischölkapseln . Sie enthalten die aufgereinigten Fette praktisch portioniert. Das Öl wird meist aus Heringen oder Makrelen hergestellt. In der Ölpresse erwärmt man die Fische schonend, bis sich das Fettgewebe verflüssigt und als Fischöl herausläuft. Das ganze geschieht in sauerstofffreier Schutzatmosphäre. Natürliches Fischöl enthält bis zu 35% Omega-3-Fettsäuren; manche Hersteller konzentrieren es später auf, und erzielen damit einen wesentlich höheren Omega-3-Gehalt.

Wie weit können Fischölkapseln tatsächlich den Cholesterinspiegel senken?

EPA und DHA haben sich in zahlreichen Tier-Fütterungsexperimenten als Cholesterinsenker erwiesen. Sogar beginnende oder vorhandene Arteriosklerose können sie lindern. Aber gilt dasselbe auch bei Menschen? Und wie groß sind die Unterschiede, die man mit Fischöl-Nahrungsergänzung erzielen kann? Klinische Studien geben Aufschluss.

Fischöl, Sterole und Vitamin B für arteriosklerotische Kinder

Wenn die Ernährung nicht stimmt, können Kindern und Jugendlichen schon früh die Adern verkalken. Wenn die jungen Patienten sich dann weigern, gesünder zu essen oder Sport zu machen, helfen bisher nur Statine. Eine Gruppe von slowakischen und britischen Forschern auf der Suche nach Alternativen zu den lebenslangen Medikamenten probierte 2013 eine neuartige Mischung für solche Patienten aus(1): Fischöl (590 mg EPA und 410 mg DHA); Pflanzensterole (1,2 Gramm), Vitamin B12, Folsäure und Coenzym Q10. Diese Mischung gaben sie vier Monate lang ihren freiwilligen Studienteilnehmern, 25 Kindern und Jugendlichen mit Cholesterinwerten von über 159 mg/dl. In den vier Monaten sank das Gesamtcholesterin der Probanden um durchschnittlich 7.74%, das LDL-Cholesterin um 8.45% und das VLDL-Cholesterin um 19%. Das HDL blieb gleich, das Verhältnis von HDL zu LDL wurde also wesentlich besser.

Fischöl für parenteral ernährte Patienten

Für Menschen mit schweren Krankheiten des Verdauungssystems ist manchmal die einzige Überlebensmöglichkeit eine künstliche Ernährung direkt ins Blut. Ein solcher Tropf führt allerdings auf lange Sicht bei vielen zu schlechten Blutfettwerten und zu Leberschäden. Im Kinderkrankenhaus von Boston, Massachusetts probierten Ärzte deshalb im Jahr 2010 aus, was passiert, wenn man Fischöl als hauptsächliche Fettquelle in der Nährlösung verwendet(2). Zehn Patienten bekamen 14 Wochen lang ihr gesamtes Nahrungsfett in Form von Fischöl. Die Ergebnisse waren verblüffend: 22% weniger LDL-Cholesterin im Blut, 41% weniger VLDL, 17% weniger Gesamtcholesterin und 46% weniger Triglyzeride. Gleichzeitig stieg der HDL-Wert um 24% an. Seit diesem Experiment hat es weitere Studien gegeben, mit ähnlichem Resultat. Deshalb enthalten die meisten parenteralen Nährlösungen inzwischen Fischöl.

Fisch und Fischöl halbieren das Thromboserisiko

Nicht nur der Cholesterinwert verändert sich bei Menschen, die viel Fisch essen und/oder Fischölkapseln einnehmen, sondern diese Leute bekommen auch deutlich weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das zeigen Daten einer groß angelegten Studie in Norwegen, für die 27,158 Einwohner der Stadt Tromsø in den Jahren 1994 und 1995 je einen Fragebogen ausfüllten zu ihren Ernährungsgewohnheiten und eventuellen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine der Fragen lautete, wie oft pro Woche die Teilnehmer Fisch aßen; eine andere Frage war, ob sie Nahrungsergänzungsmittel verwendeten und wenn ja, welche. Bis einschließlich 2010 sammelten die Wissenschaftler außerdem Daten darüber, ob ihre Studienteilnehmer Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekamen, wie z.B. Thrombose, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Das Ergebnis: Wer mindestens dreimal pro Woche Fisch isst, hat 22% weniger Thromboserisiko als diejenigen, die seltener als dreimal pro Woche Fisch essen. Noch größer wird der Unterschied, wenn man die Nahrungsergänzungsmittel mit berücksichtigt: Wer mindestens dreimal pro Woche Fisch isst und zusätzlich täglich Fischöl einnimmt, hat nur das halbe Thromboserisiko gegenüber jemandem, der weder das eine noch das andere tut.

Vorsicht mit der Dosis

Die passende Menge Fischöl, um den Cholesterinspiegel zu senken, sind 1 bis 1,5 Gramm pro Tag. Bei wesentlich größeren Mengen kehrt sich die Wirkung um: Drei Gramm Fischöl am Tag lassen den Cholesterinspiegel steigen(3), und erhöhen außerdem Blutzucker und Insulinspiegel. Sojabohnenmehl (Kinako) kann diesen Effekt abmildern, und 10 ml Olivenöl gemeinsam mit 3 g Fischöl scheint die Blutfettwerte sogar wieder ein wenig zu senken(4), aber zu hoch dosiertes Fischöl ist für den Cholesterinspiegel dennoch schlechter als gar kein Fischöl.

_________________________________________________________________________________________________________

(1)Garaiova I, Muchová J, Nagyová Z, et al. Effect of a plant sterol, fish oil and B vitamin combination on cardiovascular risk factors in hypercholesterolemic children and adolescents: a pilot study. Nutrition Journal. 2013;12:7. doi:10.1186/1475-2891-12-7.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3549748/

(2) Le HD, de Meijer VE, Zurakowski D, Meisel JA, Gura KM, Puder M. Parenteral fish oil as monotherapy improves lipid profiles in children with parenteral nutrition-associated liver disease. JPEN J Parenter Enteral Nutr. 2010 Sep-Oct;34(5):477-84. doi: 10.1177/0148607110371806. PubMed PMID: 20852175.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20852175

(3) Simão AN, Lozovoy MA, Dichi I. Effect of soy product kinako and fish oil on serum lipids and glucose metabolism in women with metabolic syndrome. Nutrition. 2014 Jan;30(1):112-5. doi: 10.1016/j.nut.2013.05.024. PubMed PMID: 24290606.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24290606

(4)Venturini D, Simão AN, Urbano MR, Dichi I. Effects of extra virgin olive oil and fish oil on lipid profile and oxidative stress in patients with metabolic syndrome. Nutrition. 2015 Jun;31(6):834-40. doi: 10.1016/j.nut.2014.12.016. PubMed PMID: 25933490.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25933490

Bitte Artikel bewerten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.