Ursachen für zu hohes Cholesterin

Ursachen für zu hohes Cholesterin

Woher kommt ein hoher Cholesterinwert?

Hohes Blutcholesterin kann auf verschiedenen Wegen entstehen: durch Vererbung, durch die Lebensweise oder als Folge diverser Krankheiten. Noch ist auf diesem Gebiet nicht alles erforscht; Man weiß, dass manche Faktoren mit dem Cholesterinspiegel zusammenhängen, aber man weiß nicht, wie und warum. Auf manche der Ursachen für zu hohes Cholesterin haben Sie selbst keinen Einfluss. Andere dagegen können Sie steuern oder sogar ganz beseitigen.

Schwer zu beeinflussen: Krankheiten und Vererbung

Hohes Cholesterin als Folge verschiedener Krankheiten

Mehrere Körperorgane spielen eine Rolle im Cholesterinstoffwechsel, allen voran die Leber. Erkrankungen innerer Organe können deshalb zu einem hohen Cholesterinspiegel führen, als ein Symptom unter vielen. Ist die Krankheit verheilt, kehren die Blutfettwerte meistens auf den Stand zurück, den sie vorher hatten. Krankheitsbilder, die häufig mit einem hohen Cholesterinspiegel einhergehen, sind:

  • Nierenentzündungen. Bei verschiedenen Nierenkrankheiten wird der feine Blutfilter dieses Organs zu einem sehr groben Sieb. Der Urin besteht nicht mehr nur aus Abfallstoffen und Wasser, sondern es gehen Bluteiweiße verloren. Um den Mangel auszugleichen, fährt die Leber ihre gesamte Eiweißproduktion hoch. Ein großer Teil dieser Ersatzproteine geht über die entzündeten Nieren sofort wieder verloren. Die Cholesterintransporter allerdings - HDL und LDL - sind so groß, dass sie selbst in einem groben Sieb noch hängen bleiben. Deshalb sammeln sich die Transporter samt Cholesterin im Blut an.
  • Schilddrüsenunterfunktion. Hier sind alle Stoffwechselvorgänge verlangsamt, auch diejenigen, die überflüssiges Cholesterin aus dem Blut entfernen.
  • Gallensteine. Verstopft ein Klumpen den Gallengang, staut sich die cholesterinreiche Gallenflüssigkeit in die Leber zurück. Bluteiweiße und Gallencholesterin lagern sich dort zusammen zum Lipoprotein X, einem Cholesterin-Eiweiß-Komplex, der bei gesunden Menschen nicht auftritt.
  • Pankreatitis. Eine entzündete Bauchspeicheldrüse kann den Gallengang abdrücken. Das Blutcholesterin steigt hier vermutlich über den selben Mechanismus wie bei den Gallensteinen.
  • Zuckerkrankheit. Der erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes und der Insulinmangel (Typ 1) oder die stark erhöhte Insulinproduktion (Typ 2) bringen den gesamten Stoffwechsel durcheinander, scheinbar auch den für Cholesterin.
  • Lupus erythematodes und andere Entzündungskrankheiten. Sie verursachen hohe Spiegel von Stresshormonen, die ihrerseits den Cholesterinspiegel und andere Blutwerte beeinflussen.
  • Lebererkrankungen. Verschiedene Infektionen, Entzündungen und andere Leiden können die Leber dazu bringen, zu viel Cholesterin ins Blut abzugeben. Bei manchen Krankheitsbildern ist die Cholesterinproduktion insgesamt erhöht, bei anderen gelangt der Anteil am Cholesterin, der für die Gallenflüssigkeit bestimmt wäre, stattdessen ins Blut.

Familiäre Hypercholesterinämie - wenn das Cholesterin in der Familie liegt

Schätzungsweise einer unter 500 bis einer unter 200 Erwachsenen leidet unter einer erblichen Stoffwechselstörung, die das Cholesterin im Blut massiv erhöht, und zwar ausgerechnet das LDL-Cholesterin: Bei den meisten Betroffenen ist entweder der LDL-Transporter selbst verformt, oder der Mechanismus, über den das Cholesterin an seinem Bestimmungsort in die Zellen eindringt, ist beschädigt. In beiden Fällen bleibt viel LDL im Blut liegen, anstatt ins Gewebe einzutreten und seine Aufgaben zu erfüllen. Über Rückkopplungsmechanismen erhält die Leber von den Körperzellen das Signal: "Wir bekommen zu wenig Cholesterin!" - und sie schickt weiteres LDL auf den Weg, um den vermeintlichen Mangel zu beheben. Die sogenannte familiäre Hypercholesterinämie geht mit 50% Wahrscheinlichkeit an die Kinder des Patienten über.

Wer das hohe Cholesterin von beiden Eltern erbt, hat als Zehnjähriger die Adern eines fettleibigen Siebzigjährigen: Etwa ein Mensch unter einer Million bekommt sowohl von der väterlichen als auch von der mütterlichen Seite ein Gen für familiäre Hypercholesterinämie vererbt, und leidet unter der schwersten Ausprägung dieser Krankheit. Unabhängig von der Lebensweise erreichen die Betroffenen Gesamtcholesterinwerte von über 700 mg/dL mit einem hohen Anteil an LDL-Cholesterin. Der sogenannten homozygoten familiären Hypercholesterinämie ist mit natürlichen Mitteln nicht beizukommen. Auch mit cholesterinsenkenden Medikamenten erreichen die Patienten keinen gesunden LDL-Wert, sondern erkranken schon als Kind an schwerer Arteriosklerose. Herzinfarkte und Stent-Operationen im Teenageralter sind bei homozygoter familiärer Hypercholesterinämie leider vorprogrammiert. Die einzige Möglichkeit, die extrem hohen LDL-Werte der Betroffenen spürbar zu senken und damit die Herz-Kreislauf-Probleme um einige Jahre zu verzögern, ist die LDL-Apherese, eine spezielle Dialyse, bei der der Patient zweimal pro Monat für Stunden an eine Maschine angeschlossen ist, die das LDL aus seinem Blut filtert.

Die Lebensweise: Hier entscheiden Sie selbst

Ihre Lebensgewohnheiten haben viel Einfluss auf die Gesundheit Ihrer Adern und Ihres Herzens. Verschiedene schlechte Gewohnheiten können das Blutcholesterin erhöhen, und damit die Gefahr für Arteriosklerose.

Viel Alkohol macht hohe Blutfettwerte

Ein kleines Glas Wein am Tag ist gut für den HDL-Cholesterinspiegel und schützt vor Herzinfarkt. Übermäßiger Alkoholkonsum kann dagegen den LDL-Cholesterinspiegel nach oben treiben, auf zweierlei Wegen: Zum einen schädigt das Zellgift die Leber und die Bauchspeicheldrüse. Zum anderen enthalten alkoholische Getränke mehr Kalorien, als man ihnen vom Geschmack her zutrauen würde, denn der Alkohol selbst liefert dem Stoffwechsel Energie. Beides zusammen, der Leberschaden und die überflüssige Kalorienzufuhr, ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum Alkoholiker ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.

Essstörungen: Zu wenig ist genau so schlecht wie zu viel

Gestörtes Essverhalten gibt es in verschiedenen Ausprägungen, und keine davon ist gut für den Cholesterinwert. Bei Magersucht oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie) fehlen dem Körper Nährstoffe, Vitamine, Mineralien und essentielle Fettsäuren. Damit fehlen die Grundbausteine für den gesamten Stoffwechsel und Hormonhaushalt. Die Leber versucht, den niedrigen Blutzuckerspiegel auszugleichen, indem sie aus Fetten sogenannte Ketonkörper herstellt. Dadurch übersäuert das Blut, und sämtliche Blutwerte entgleisen - vermutlich deshalb misst man bei vielen Magersüchtigen erhöhte Cholesterinwerte.

Bei der Ess-Sucht dagegen ist das Problem ein dauerhaftes Überfressen, mit dem die Betroffenen immer weiter zunehmen. Anstatt ihre Ernährung allmählich und nachhaltig zu verändern, machen manche Ess-Süchtige zwischendurch Radikaldiäten, um die Kilos wieder loszuwerden. Danach stellt sich nicht nur der Jojo-Effekt ein und bringt das Gewicht mit Zinsen zurück, sondern der gesamte Stoffwechsel gerät immer weiter aus den Fugen.

Krankhafte Fressattacken, auch Binge-Eating genannt, müssen nicht unbedingt zu Übergewicht führen, wenn sich der Patient ansonsten normal ernährt und die Anfälle nicht zu häufig auftreten. Allerdings schießen nach jeder Heißhungerattacke kurzfristig Blutzucker- und Blutfettwerte nach oben, was auf lange Sicht Leber und Bauchspeicheldrüse schädigen oder einen Diabetes Typ 2 herbeiführen kann. Außerdem ist das Lebensmittel der Wahl für eine Fressattacke meist alles andere als gesund: eine ganze Tüte Kartoffelchips, eine Schachtel Kekse mit Nougatfüllung oder eine Literdose Eis enthalten eine Menge Zucker und Fette der schädlichsten Sorte.

Fette: Trans- und gesättigt

Warum genau gesättigte Fettsäuren oder trans-ungesättigte Fette so schlecht für den Blutcholesterinspiegel sind, kann man bisher nur vermuten. Sicher ist: Je größer die Menge von gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren in den Ernährungsgewohnheiten eines Menschen, desto höher sein Cholesterinspiegel und desto höher seine Wahrscheinlichkeit, an Arteriosklerose und ihren Folgen zu erkranken. Dabei scheinen die Trans-Fettsäuren ("umgekippte" Formen der ungesättigten Fettsäuren; zu finden hauptsächlich in Frittierfett und Margarine) einen stärkeren Effekt zu haben als die gesättigten Fette.

Ursachen für zu hohes Cholesterin
fettiges Essen

Übergewicht hat Folgen

Das gesündeste Gewicht für einen Menschen ist nicht etwa das "Idealgewicht" nach der BMI-Skala, sondern ein bis zwei Kilo über dem, was der BMI als Normalbereich angibt. Menschen mit diesem kleinen bisschen Übergewicht leben länger, werden seltener krank und sind im Durchschnitt glücklicher sowohl im Vergleich mit ihren schlanken Zeitgenossen als auch im Vergleich mit den stark Übergewichtigen bis Fettleibigen. Letztere kämpfen mit allerhand Folgeerscheinungen; eine davon sind chronisch erhöhte Blutfett- und Cholesterinwerte. Der Grund für das hohe Cholesterin ist hier wahrscheinlich die Kombination aus zu viel Kalorienzufuhr, Bewegungsmangel und einer Vorliebe für ungesunde Lebensmittel.

Autorin: Anna Siegl

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