Was ist Cholesterin



Was ist Cholesterin?

Der Cholesterinwert macht Ärzten und Patienten Sorgen; Lebensmittelhersteller werben mit cholesterinarmen Versionen ihrer Produkte oder mit Mischungen, die den Cholesterinspiegel im Blut senken sollen - All das klingt schon fast, als wäre Cholesterin ein reines Gift. Je weniger von diesem Dreck Sie im Körper haben, desto besser, scheint die Botschaft zu lauten. Aber tatsächlich wird es für den menschlichen Körper erst dann schädlich, wenn zu viel davon an den falschen Stellen hängen bleibt. In seinen normalen Funktionen ist das Cholesterin lebensnotwendig. Es erfüllt drei grundlegende Aufgaben: in der Verdauung, im Hormonhaushalt und als Bestandteil jeder einzelnen Zelle. Wie wichtig Cholesterin im menschlichen Körper ist, erkennt man an dem, was passiert, wenn es fehlt.

Bitte beachten
Bei Zeitmangel können Sie auch gerne die Zusammenfassung über Cholesterin am Ende des Artikels lesen oder schauen Sie das Lehrvideo an

Cholesterinmangel von unangenehm bis tödlich

Fehlt einem gesunden Erwachsenen irgendwann im Leben plötzlich das Cholesterin (das ist zum Beispiel nach einer Leberzirrhose möglich), bekommt er eine ganze Reihe von Beschwerden, von trockener Haut und Konzentrationsstörungen bis hin zu einem schweren Vitamin E-Mangel mit all seinen Symptomen. Ein Baby dagegen, das von Geburt an zu wenig Cholesterin im Körper hat (diese Krankheit nennt sich Smith-Lemli-Opitz-Syndrom, kurz: SLOS) hat schwere Entwicklungsstörungen, wächst nur langsam, und stirbt oft sehr früh. Kinder mit einer leichteren Form des SLOS können zwar das Erwachsenenalter erreichen, bleiben aber ihr Leben lang geistig schwerbehindert und sind auf intensive Pflege angewiesen.

Cholesterin im menschlichen Körper: Woher und wofür?

Obwohl Sie in fast jedem Gesundheitsratgeber etwas über Cholesterin in Lebensmitteln lesen werden, kommt das meiste Cholesterin in Ihrem Körper keineswegs aus dem, was Sie essen. Denn die Aufnahmekapazität des menschlichen Darms für diesen Stoff ist gering; höchstens ein halbes Gramm Cholesterin pro Tag können wir aus der Nahrung aufnehmen. Das reicht nicht annähernd für den Bedarf unserer Organe. Über 90% seines Cholesterins produziert unser Körper selbst, und zwar in der Leber. Von hier aus gelangt ein großer Teil über das Blut zu verschiedenen Bestimmungsorten. Ein Rest bleibt in der Leber und dient dort als Grundstoff für die sogenannten Gallensäuren.

Über 90% seines Cholesterins produziert unser Körper selbst

Cholesterin in der Galle: unentbehrlich für den Fettstoffwechsel

Das Cholesterin, das in der Leber geblieben ist, durchläuft hier einige chemische Veränderungen. Endprodukt sind die Gallensäuren. Sie haben einiges mit Seife gemeinsam, und haben eine ähnliche Aufgabe. Die Gallensäuren kommen mit der Gallenflüssigkeit nach jeder Mahlzeit in den Dünndarm und mischen sich unter den Speisebrei, der frisch aus dem Magen kommt. Hier formen sie mit den Fetten aus dem Essen winzige Tröpfchen, die im wässrigen Nahrungsbrei schweben. In dieser Form sind die Fette zugänglich für Verdauungsenzyme, die jedes Fettmolekül aufspalten in seine einzelnen Bestandteile. Diese "Fett-Stückchen" gelangen dann durch die Darmwand in den Körper, gemeinsam mit den vier fettlöslichen Vitaminen E, D, K und A. Und die Gallensäuren? Auch sie wandern aus dem Dünndarm ins Blut, kehren zurück in die Leber, und kommen erneut in die Galle - ein Kreislauf, den der Großteil der Gallensäuren wieder und wieder durchläuft. Nur eine kleine Menge entkommt in den Dickdarm und verlässt stromabwärts schließlich den Körper.

Das Grundgerüst für unseren Hormonhaushalt

Von dem Teil des Cholesterins, der aus der Leber ins Blut gelangt ist, landet viel in den Keimdrüsen (Hoden und Eierstöcke) und in den Nebennieren. Innerhalb dieser Organe entstehen Hormone, die wichtige Funktionen unseres Körpers regeln: im Hoden die männlichen Geschlechtshormone, vor allem Testosteron; in den Eierstöcken die weiblichen Geschlechtshormone, vor allem Östrogen und die Schwangerschaftshormone (Gestagene); in den Nebennieren die Glucocorticoide (Cortison) und das Mineralokortikoid Aldosteron, das einen großen Teil unseres Wasser- und Salzhaushalts regelt. Alle diese Hormone baut unser Körper aus dem selben Grundgerüst auf: Cholesterin.

Cholesterin in jeder Zelle unseres Körpers

Die dritte und vielleicht wichtigste Funktion des Cholesterins:  Es stabilisiert die Membran (Hülle) unserer Körperzellen und erleichtert gleichzeitig das Einschleusen und Ausschleusen wichtiger Stoffe.  In den Zellmembranen befindet sich das meiste Cholesterin Ihres Körpers gebunden. Bei einem Erwachsenen sind hier ca. 130 Gramm von diesem Stoff verbaut. Jedes Gewebe, das wachsen oder sich erneuern will, holt sich dazu aus dem Blut die Zutat Cholesterin. Deshalb schickt die Leber ständig neues Material auf den Weg. Wird dagegen altes Gewebe abgebaut oder einfach ein Stück Membran ausgetauscht, gelangt das benutzte Cholesterin zurück über das Blut zur Leber, die beschädigte Moleküle aussortiert und für die Ausscheidung markiert.

Cholesterin im Blut: Nie allein unterwegs

Ein zu hoher Blutcholesterinwert bedeutet verkalkte Adern und Herzinfarkt, so die Kurzversion von dem, was die meisten Ärzte ihren Patienten erklären. Aber so einfach ist es nicht: Wichtiger als die Gesamtmenge an Cholesterin im Blut ist die Form, in der es dort unterwegs ist, und die Richtung, in die es wandert. Denn das Cholesterin, das von der Leber zu den Körpergeweben und von dort zurück in die Leber soll, schwimmt nicht einfach nur im Blut. Es ist auf Transporter angewiesen. Das sind Eiweißhüllen, die das Cholesterin und ein paar andere Stoffe aufnehmen und an den jeweiligen Bestimmungsort bringen. Es gibt diese Transporter in verschiedenen Ausführungen: Der LDL-Transporter (Low Density Lipoprotein oder "leichtes Lipo-Eiweiß") liefert frisches Cholesterin von der Leber an den Rest des Körpers. Der HDL-Transporter (High Density Lipoprotein oder "schweres Lipo-Eiweiß") bringt benutztes Cholesterin zur Leber zurück.

Schwer ist gut, leicht ist schlecht

Entscheidend für die Gesundheit Ihrer Adern ist das Verhältnis zwischen HDL-Transportern und LDL-Transportern. Denn in den Ablagerungen in den verkalkten Adern von Herzinfarktpatienten findet man Cholesterin vor allem mit LDL umhüllt, und der LDL-Cholesterinwert hängt statistisch zusammen mit der Wahrscheinlichkeit für Arteriosklerose und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Je mehr HDL und je weniger LDL SIe im Blut haben, desto besser. Der Arzt und Humorist Dr. Eckart von Hirschhausen hat hierfür einen einfachen Merkspruch parat: HDL = Hat Dich Lieb. LDL = Lauf, Du Lahmarsch. Damit nennt er bereits eine Möglichkeit, wie Sie auf natürliche Art den LDL-Cholesterinspiegel senken können: mit leichtem Ausdauersport.

Cholesterin und Lebensmittel

Arteriosklerose

Das Cholesterin in Ihrem Körper kommt nicht aus Ihrem Essen. Wenn Sie viel Cholesterin zu sich nehmen, wandert das meiste einfach ungenutzt durch den Darm. Essen Sie cholesterinarm, senken Sie damit keineswegs die Cholesterinmenge in Ihrem Körper oder in Ihrem Blut. Viele Lebensmittel haben dennoch einen Einfluss auf den Blutcholesterinspiegel, auf das Verhältnis zwischen HDL und LDL, und auf die Wahrscheinlichkeit, Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen. Wie? Hier kommen die Fette ins Spiel, und die Frage, was ein Fett eigentlich ist.

Biochemie: Was ist Fett?

Der wissenschaftliche Name für Fette lautet: Triglyzeride, zusammengesetzt aus "Tri-" für drei, Glycerin für ein bestimmtes Molekül (das uns hier nicht näher zu beschäftigen braucht) und der Endung -id, die für den Chemiker bedeutet: verbunden. Also: drei mit Glycerin verbunden. Drei was? Drei der sogenannten Fettsäuren. Jedes Fett besteht aus einem Teilchen namens Glycerin als Rückgrat, an dem drei Fettsäuren hängen. Letztere gibt es in vielen verschiedenen Sorten; man unterscheidet gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte. (Daher die Angaben in der Nährwerttabelle jeder Lebensmittelpackung). Je mehr ungesättigte Fettsäuren am Glycerin hängen, desto besser.

Gesund in guter Gesellschaft

Kehren wir zurück zum Cholesterin. Es ist in seinen HDL- und LDL-Transportern nicht allein, sondern teilt sich den Platz mit verschiedenen Fettsäuren. Sind es hauptsächlich gesättigte, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das Cholesterin als LDL-Plaque an der Wand eines Blutgefäßes hängen bleibt. Sind dagegen hauptsächlich ungesättigte Fettsäuren mit im Transporter, gelangt das Paket ohne Zwischenfälle an seinen Bestimmungsort. Die LDL-Transporter sind leider nicht wählerisch dabei, welche Fettsäuren sie mit dem Cholesterin an Bord lassen; sie nehmen mit, was da ist. Wenn Sie steuern wollen, in welcher Gesellschaft das Cholesterin durch Ihre Adern reist, müssen Sie darauf achten, welche Fettsäuren Sie in Ihren Körper lassen. Je mehr ungesättigte, desto gesünder.

Zusammenfassung
Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff und erfüllt drei grundlegende Aufgaben: in der Verdauung, im Hormonhaushalt und als Bestandteil jeder einzelnen Zelle. Über 90% seines Cholesterins produziert unser Körper selbst, und zwar in der Leber. Der LDL-Transporter (Low Density Lipoprotein oder "leichtes Lipo-Eiweiß") liefert frisches Cholesterin von der Leber an den Rest des Körpers. Der HDL-Transporter (High Density Lipoprotein oder "schweres Lipo-Eiweiß") bringt benutztes Cholesterin zur Leber zurück. Entscheidend für die Gesundheit Ihrer Adern ist das Verhältnis zwischen HDL-Transportern und LDL-Transportern.

Autorin: Anna Sigl

Bitte Artikel bewerten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.